Vorerbschaft und Nacherbschaft - Rechte und Pflichten des Vorerben und Nacherben

Vorerbschaft und Nacherbschaft - Rechte und Pflichten des Vorerben und Nacherben

Grundlagen

Der Erblasser kann einen Erben in der Weise einsetzen, dass dieser erst Erbe wird, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist (Nacherbe), § 2100 BGB

Vorerbe

Erwerb des Nachlasses 

Wird in einem Testament eine Vor- und Nacherbschaft angeordnet, wird zunächst der Vorerbe Erbe und nach ihm der Nacherbe Erbe (§ 2100 BGB). Der Vorerbe ist echter Erbe, d.h. er tritt gemäß § 1922 BGB in alle Rechte und Pflichten des Erblassers ein.

Verfügung über den Nachlass und Pflichten

Der Vorerbe kann über die zur Erbschaft gehörenden Gegenstände im Grundsatz frei verfügen (§ 2112 BGB). Hat der Erblasser im Testament nichts anderes angeordnet, treffend den Vorerben folgende Beschränkungen und Pflichten: 

  • Ersetzung von Mitteln des Nachlasses durch erworbene Gegenstände (§ 2111 BGB);
  • Verbot über Grundstücke oder Rechte an diesen Grundstücken oder Schiffe und Schiffsbauwerke zu verfügen (§ 2113 Abs. 1 BGB);
  • Verbot unentgeltlich über das Vorerbe zu verfügen (§ 2113 Abs. 2 BGB);
  • Beschränkung der Zwangsvollstreckung nach § 2115 BGB;
  • Verbot über Hypothekenforderungen, Grund- und Rentenschulden zu verfügen (§ 2114 BGB);
  • Verpflichtung zur Hinterlegung (§ 2116 BGB) bzw. Umschreibung (§ 2117 BGB) von Wertpapieren, Eintragung eines Sperrvermerks (§ 2118 BGB) und der Anlegung von Geld (§ 2119 BGB);
  • Verpflichtung zur Erstellung eines Nachlassverzeichnisses auf Verlangen (§ 2121 BGB);
  • Pflicht zur Duldung der Zustandsfeststellung durch den Nacherben (§ 2122 BGB);
  • Verpflichtung zur Aufstellung eines Wirtschaftsplans bei Wald und der Gewinnung von Bodenschätzen (§ 2123 BGB);
  • Verpflichtung den Nacherben Auskunft über den Bestand der Erbschaft zu geben (§ 2127 BGB);
  • Verpflichtung den Nacherben Sicherheit zu leisten (§ 2128 BGB);
  • Verpflichtung zur ordnungsgemäßen Verwaltung und zur Rechnungslegung nach Eintritt des Nacherbfalls (§ 2130 BGB), sowie dem Haftungsmaßstab des § 2131 BGB;
  • Verpflichtung zum Wertersatz für Raub- und Übermaßfrüchte;
  • Verpflichtung zur Leistung von Wertersatz bei eigennützigen Verwendungen (§ 2134 BGB);
  • Verpflichtung zum Schadenersatz unter den Voraussetzungen des § 2138 Abs. 2 BGB.

Der Erblasser kann den Vorerben von den Beschränkungen und Verpflichtungen des § 2113 Abs. 1 und der §§ 2114, 2116 bis 2119, 2123, 2127 bis 2131, 2133, 2134 befreien. Bei einer umfassenden Befreiung wird er als befreiter Vorerbe bezeichnet. 

Nacherbe

Erwerb des Nacherben

Der Nacherbe erwirbt die Erbschaft (vom Erblasser) erst mit Eintritt des Nacherbfalls. Dies ist z.B. der Tod des Vorerben. Tritt der Nacherbfall ein, hat der Vorerbe oder dessen Erben die Erbschaft an den Nacherben heraus zu geben.

Rechte des Nacherben gegenüber dem Vorerben vor Eintritt des Nacherbfalls

Sofern der Erblasser den Vorerben nicht wirksam von der entsprechenden Verpflichtung entbunden hat, hat der Nacherbe vor Eintritt des Nacherbfalls das Recht 

Pflichten des Nacherben gegenüber dem Vorerben vor Eintritt des Nacherbfalls

Sofern zur ordnungsmäßigen Verwaltung, insbesondere zur Berichtigung von Nachlassverbindlichkeiten, eine Verfügung erforderlich ist, die der Vorerbe nicht mit Wirkung gegen den Nacherben vornehmen kann, ist der Nacherbe dem Vorerben gegenüber verpflichtet, seine Einwilligung zu der Verfügung zu erteilen (§ 2120 BGB).

Unwirksamkeit der Nacherbeneinsetzung durch Zeitablauf

Die Einsetzung eines Nacherben wird mit dem Ablauf von 30 Jahren nach dem Erbfall unwirksam, wenn nicht vorher der Fall der Nacherbfolge eingetreten ist, § 2109 Abs. 1 BGB. Damit entfallen die Beschränkungen des Vorerben. Allerdings bleibt die Nacherbschaft in manchen Fällen bestehen. So bleibt die Nacherbschaft z.B. bestehen, wenn die Nacherbfolge für den Fall des Versterbens einer bestimmten Person angeordnet wird. Da oftmals die Nacherbfolge vom Tod des Vorerben abhängig gemacht wird, erlischt die Einsetzung des Nacherbens daher oftmals nicht nach 30 Jahren.

Nacherbschaft und Pflichtteil

Da auch der Nacherbe nach der gesetzlichen Regelung Erbe ist, hat er keinen Anspruch auf den Pflichtteil. Allerdings kann er gemäß § 2306 BGB die Erbschaft ausschlagen und den Pflichtteil verlangen.

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