Nachlassabwicklung in Neuseeland

Nachlassabwicklung in Neuseeland

Erforderlichkeit eines Nachlassverfahrens

Ein Nachlassverfahren ist immer erforderlich, wenn in Neuseeland registrierte Vermögensgegenstände (z.B. Haus, Aktien, Sparguthaben) vorhanden sind, es sei denn dass

  • diese "außerhalb des Nachlasses" übergehen,
  • der Verwahrer des Vermögens (z.B. Bank) bereit ist ohne förmlichen Nachweis Nachlassgegenstände herauszugeben oder
  • ein ausländisches Zeugnis anerkannt wird. 

Übergang von Vermögen "außerhalb des Nachlasses"

Außerhalb des Nachlasses kann ein Vermögensgegenstand z.B. im Wege der Joint Tenancy oder mittels eines Trusts übergehen. 

Anerkennung ausländischer Zeugnisse

Zeugnisse aus dem UK oder Commonwealth-Staaten können nach Prüfung durch das Gericht anerkannt (resealed) werden. 

Ein deutscher Erbschein oder ein deutsches Testamentsvollstreckerzeugnis kann hingegen nicht durch das Gericht anerkannt werden. Allerdings akzeptieren manche Banken (bei einem Deutschen mit ständigem Aufenthalt in Deutschland) auch einen Erbschein oder Testamentsvollstreckerzeugnis, wenn sonst kein Streit besteht und auch sonst alles für die Berechtigung der bezeichneten Personen spricht. Soweit aus Sicht des Nachlassgerichts deutsches Recht anzuwenden ist, kann der Erbschein außerdem den Nachweis des deutschen Rechts vereinfachen. 

Das Nachlassverfahren in Neuseeland

Das Nachlassverfahren ist im Administration Act 1969 und im Trustee Act 1956 geregelt. 

Gerichtliche Prüfung der Wirksamkeit des Testaments und Bestellung/Betätigung des Nachlassabwicklers

Gibt es ein Testament, prüft das Nachlassgericht (probate court) auf Antrag die Wirksamkeit des Testaments und erteilt dem im Testament bestimmten Nachlassabwickler ein Zeugnis über seine Verfügungsberechtigung (grant of probate). 

Hat der Erblasser nicht oder nicht wirksam einen Nachlassabwickler bestimmt, wird nach Ermessen des Gerichtes ein Nachlassabwickler ernannt, 6 Administration Act 1969. Dieser hat die gleichen Befugnisse wie ein executor, 10 Administration Act 1969.  Auch diesem Nachlassabwickler wird ein Zeugnis erteilt (certificate of administration), s18 Administration Act 1969. 

Verwaltung des Nachlasses

Der Nachlassabwickler soll den Nachlass verwalten (administration). Hierzu soll er zunächst den Nachlass sichern und ein Verzeichnis des Nachlasses (estate inventory) erstellen.

Bekannte Nachlassverbindlichkeiten soll tilgen und Hinweisen auf Verbindlichkeiten nachgehen. Zur Vermeidung der Haftung wird er regelmäßig Gläubiger zur Anmeldung ihrer Forderungen aufrufen (Gläubigeraufruf); dies geschieht durch eine Anzeige in einer lokalen Zeitung, siehe s35 des Trustee Act 1956.

Der Nachlassabwickler kann den Nachlass alleine verwalten und über Nachlassgegenstände im Grundsatz auch verfügen (legal ownership). Allerdings darf der Nachlassverwalter von diesen Befugnissen nur insoweit Gebrauch machen, als dies zur Erfüllung seiner Aufgabe erforderlich erscheint.

Verteilung des Nachlasses

Nach Tilgung der Verbindlichkeiten soll der Nachlass verteilt werden. Eine Verteilung soll aber nicht vor Ablauf von 6 Monaten nach Erteilung des Grant erfolgen, damit Gläubiger ausreichend Zeit haben ihre Forderungen geltend zu machen. Wenn eine Person erklärt hat, Ansprüche nach dem Family Protection Act 1955, Law Reform (Testamentary) Promises Act 1949 oder Property (Relationships) Act 1976, zu erheben wird er aber auch nicht vor Ablauf von 12 Monaten verteilen, da ein entsprechender Antrag binnen 12 Monaten gestellt werden kann. Besondere Zuwendungen (specific gifts) werden vorrangig verteilt. Der Restnachlass (residue) wird als letztes verteilt. 

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