Testamentseröffnung - Fragen und Antworten

Testamentseröffnung - Fragen und Antworten

Als Fachanwalt für Erbrecht berate und vertrete ich viele Mandanten bei der Testamentseröffnung und den nachfolgenden Verfahren, z.B. Erbscheinverfahren oder Klagen auf Erfüllung eines Vermächtnisses. Der Beitrag beantwortet in Frage und Antwort die häufigsten Fragen meiner Mandanten zur Testamentseröffnung.

Was bedeutet „Testamentseröffnung“?

Als Testamentseröffnung bezeichnet man das Verfahren, bei welchem der Inhalt des Testaments sämtlichen Beteiligten zur Kenntnis gebracht wird.

Muss ich Testamentseröffnung beantragen, wenn eine Person stirbt und ich ihr Testament finde oder im Besitz habe?

In einem solchen Fall müssen Sie das Testament unverzüglich an das Nachlassgericht abliefern, sog. Ablieferungspflicht (§ 2259 BGB). Die Testamentseröffnung erfolgt sodann von Amts wegen. 

Was passiert, wenn ich das Testament nicht bei Gericht abliefere?

Die Verletzung der Ablieferungspflicht kann Schadenersatzansprüche begründen. Unter Umständen liegt auch eine strafbare Urkundenunterdrückung vor. Dies kann sogar zur Erbunwürdigkeit führen. 

Was ist, wenn sich das Original des Testaments in amtlicher Verwahrung befindet?

Wenn sich das Original des Testaments in amtlicher Verwahrung befindet (siehe hierzu den Beitrag Amtliche Verwahrung des Testaments), wird das verwahrende Gericht vom Geburtsstandesamt über den Tod des Testators informiert und es erfolgt sodann von Amts wegen die Testamentseröffnung (§ 347 FamFG). 

Welches Gericht ist zuständig für die Testamentseröffnung?

Im Grundsatz ist gemäß § 343 FamFG örtlich zuständig das Gericht, in dessen Bezirk der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes seinen gewöhnlichen Aufenthalt hatte. Hat ein anderes Gericht als das nach § 343 FamFG zuständige Gericht eine Verfügung von Todes wegen in amtlicher Verwahrung, ist dieses Gericht für die Eröffnung der Verfügung zuständig

Wird bei Testamentseröffnung die Wirksamkeit des Testaments geprüft?

Das Nachlassgericht prüft bei der Testamentseröffnung nicht, ob das Testament wirksam ist. 

Wann erfolgt die Testamentseröffnung?

Das Nachlassgericht eröffnet alle Testamente, die in amtlicher Verwahrung sind (vgl. § 2248 BGB, § 34 Abs. 1 S. 4 BeurkG), sobald es vom Todesfall Kenntnis erhalten hat (§ 348 FamFG). Ferner eröffnet es unverzüglich alle Testamente, welche nach § 2259 BGB abgeliefert wurden. 

Lädt das Nachlassgericht die Erben zur Testamentseröffnung ein?

Das Gericht kann zur Testamentseröffnung einen Termin bestimmen und die gesetzlichen Erben sowie die sonstigen Beteiligten (z. B. Erben, Vermächtnisnehmer) zum Termin laden (§ 348 Abs. 1 FamFG). In der Praxis erfolgt eine solche Ladung aber fast nie. 

Sind die Erben bei der Testamentseröffnung anwesend und verliest das Gericht das Testament dann?

Das Gericht gibt den Beteiligten gemäß § 348 Abs. 3 FamFG schriftlich den Inhalt des Testaments bekannt, d. h. es sendet ihnen eine Kopie des Testaments mit Eröffnungsvermerk (Stempel) und Eröffnungsprotokoll zu. 

Wird auch ein nicht unterschriebenes oder durchgestrichenes Testament eröffnet?

Jedes Schriftstück ist zu eröffnen, das nach seiner äußeren Form oder seinem Inhalt eine Verfügung von Todes wegen sein kann. Daher werden auch nicht unterschriebene oder durchgestrichene Testament eröffnet. 

Ist das gesamte Testament zu eröffnen oder nur die Teile, welche den Beteiligten betreffen?

Die Eröffnung umfasst grundsätzlich das gesamte Schriftstück. Nach § 348 Abs. 3 FamFG soll bei einem schriftlichen Verfahren allerdings nur der den Beteiligten „betreffende“ Inhalt bekannt geben werden. 

Sofern die Kenntnis des vollständigen Testaments allerdings zur Prüfung der Testierfähigkeit oder anderer Anfechtungsgründe benötigt wird, soll ein Anspruch auf Bekanntgabe des gesamten Inhalts bestehen, siehe OLG Hamm FamRZ 1974, 387, 389. 

Wird bei einem gemeinschaftlichen Testament auf den Tod eines Ehegatten das gesamte Testament eröffnet?

Bei der Eröffnung eines gemeinschaftlichen Testaments sind die Verfügungen des überlebenden Ehegatten oder Lebenspartners, soweit sie sich trennen lassen, den Beteiligten nicht bekannt zu geben (§349 FamFG). 

Wird ein Testament, das in amtlicher Verwahrung ist, irgendwann automatisch eröffnet? 

Befindet sich ein Testament, ein gemeinschaftliches Testament oder ein Erbvertrag seit mehr als 30 Jahren in amtlicher Verwahrung, soll die verwahrende Stelle von Amts wegen ermitteln, ob der Erblasser noch lebt. 

Welche Rechtsfolgen hat die Testamentseröffnung

Ab Testamentseröffnung läuft die Frist zur Ausschlagung der Erbschaft. Ferner tritt jetzt bei gewillkürter Erbfolge Kenntnis vom Erwerb ein, sodass der Erwerber seinen Erwerb gegenüber dem Finanzamt anzeigen muss.

Mittels des eröffneten Testaments kann sich der Erbe außerdem gegenüber vielen Stellen als Berechtigter legitimieren, z. B. gegenüber Banken. Ferner ist die die Eröffnung Voraussetzung für die Erteilung eines Erbscheins. 

Welche Gerichtskosten fallen bei Testamentseröffnung an?

Für die Testamentseröffnung wird nach Anlage 1 (zu § 3 Absatz 2) Kostenverzeichnis 12101 dem GNotKG eine Festgebühr in Höhe von EUR 100,00 erhoben. 

Brauche ich einen Rechtsanwalt für die Eröffnung des Testaments?

In der Regel benötigen Sie für die Eröffnung eines Testaments keinen Rechtsanwalt und die Geschäftsstelle des Nachlassgerichts hilft ihnen auf Anfrage auch gerne weiter. Wenn es allerdings Hinweise darauf gibt, dass das Testament unwirksam ist (z. B. wegen Testamentsfälschung oder Testierunfähigkeit) oder der Verdacht besteht, dass ein Testament nicht abgeliefert wurde, sollten Sie zeitnah über die Beauftragung eines Fachanwalts für Erbrecht nachdenken, da ein eröffnetes Testament nebst Eröffnungsprotokoll zum Nachweis des Erbrechts genügen kann und somit die Gefahr besteht, dass ein Unberechtigter den Nachlass vereinahmt.

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