Widerruf Testament – FAQ

Widerruf Testament – FAQ

Wie wird ein Testament widerrufen?

Eine Person ihr Testament durch ein Widerrufstestaments oder eine Aufhebung widerrufen.

Kann ein notarielles Testament durch ein handschriftliches Testament widerrufen werden?

Es gibt keine Bevorzugung eines notariellen Testaments. Daher kann durch ein handschriftliches Testament auch ein notarielles Testament widerrufen werden. 

Muss ein Widerruf ausdrücklich erklärt werden?

Der Widerruf eines Testaments kann ausdrücklich erfolgen (z.B. "Ich widerrufe alle vorgehenden letztwilligen Verfügungen"). Es genügt aber auch, wenn die Widerrufsabsicht dem Testament im Wege der Auslegung entnommen werden kann.

Wie wird ein Testament aufgehoben?

Von einer Aufhebung des Testaments spricht der Jurist in den Fällen des § 2258 (1) BGB. Die Aufhebung setzt voraus, dass das spätere Testament mit dem früheren in Widerspruch steht. Ist das der Fall, dann ist das frühere Testament soweit aufgehoben, wie der Widerspruch reicht, und zwar ohne dass es einer gerade auf diese Rechtsfolge gerichteten Willenserklärung bedarf.

Muss der Widerruf durch Testament erfolgen oder kann man auch anders widerrufen?

Der Widerruf und die Aufhebung müssen durch ein Testament erfolgen. Dieses muss die Testamentsform wahren und frei von Willensmängeln (z.B. Testierunfähigkeit) sein.

Kann man ein Testament auch teilweise widerrufen?

Der Erblasser kann das Testament ganz oder nur einzelne Anordnungen des Testaments widerrufen. Er kann z.B. in einem Testament ein Vermächtnis zu Gunsten seines Kindes widerrufen und die Erbeinsetzung zu Gunsten seiner Ehefrau bleibt hiervon unberührt.

Ist ein Widerruf eines Testaments unter einer Bedingung zulässig?

Auch der Widerruf des Testaments unter einer Bedingung ist zulässig. Der Erblasser kann z.B. ein Vermächtnis für den Fall widerrufen, dass sich der Vermächtnisnehmer dem Willen des Erblassers widersetzt (z.B. den Pflichtteil geltend macht). 

Wird ein Testament durch Vernichtung widerrufen?

Ein Testament kann auch dadurch widerrufen werden, dass der Erblasser in der Absicht, es aufzuheben, die Testamentsurkunde vernichtet oder an ihr Veränderungen vornimmt, durch die der Wille, eine schriftliche Willenserklärung aufzuheben, ausgedrückt zu werden pflegt, z.B. Zerreißen, Herausschneiden eines Textteils, Zerknüllen, Durchstreichen des Textes. Streichungen einzelner Textstellen deuten nicht zwingend auf einen unmittelbaren Widerrufswillen hin, sondern können unter besonderen Umständen auch lediglich der Vorbereitung eines neuen Testaments dienen.

Wird das Testament auch unwirksam, wenn ein anderer es vernichtet?

Wenn nicht der Erblasser, sondern eine andere Person das Testament vernichtet oder verändert, führt dies nicht zu Aufhebung des Testaments.

Gilt ein verschwundenes Testament als widerrufen? 

Kann das Testament nicht gefunden werden, so wird nicht vermutet, dass es vom Erblasser vernichtet wurde. Steht nicht fest, dass der Erblasser das unauffindbare Testament selbst vernichtet hat, müssen wenigstens Indizien wie der Nachweis einer Willensänderung des Erblassers vorliegen, um den Beweis der Vernichtung erbringen zu können.

Was ist, wenn das Widerrufstestament widerrufen wird?

Auch der Widerruf eines Widerrufs durch Widerrufstestament ist zulässig. In diesem Fall ist im Zweifel die Verfügung wirksam, wie wenn sie nicht widerrufen worden wäre.

Kann ein Berliner Testament widerrufen werden?

Zu Lebzeiten beider Ehegatten können diese natürlich gemeinsam ein Berliner Testament widerrufen oder ändern. Ein Widerruf kann z.B. durch neues gemeinschaftliches Testament oder ein gemeinsames Widerrufstestament erfolgen. Auch ein Ehegatte allein kann ohne die Zustimmung des anderen seine Verfügungen in einem gemeinschaftlichen Testament widerrufen (einseitiger Widerruf). Der einseitige Widerruf einer wechselseitigen Verfügung wird aber erst wirksam, wenn er dem anderen Ehegatten in notariell beurkundeter Form zugeht. Mit dem Tod eines Ehegatten erlischt das Recht das gemeinschaftliche Testament zu widerrufen im Hinblick auf wechselseitige Verfügungen in dem gemeinschaftlichen Testament, d.h. der Überlebende ist in seiner Testierfreiheit eingeschränkt und kann nicht mehr von den wechselseitigen Verfügungen im dem gemeinschaftlichen Testament abweichend neu von Todes wegen verfügen (z.B. durch Testament oder Erbvertrag).

Welches Recht ist im Hinblick auf den Widerruf eines Testaments anwendbar?

Im Grundsatz ist das anwendbare Erbrecht betreffend die materielle Wirksamkeit eines Widerrufs nach Art. 24 EuErbVO zu bestimmen (vgl. Art. 24 Abs. 3 EuErbVO). Nach Art. 27 Abs. 2 EuErbVO ist die Form des Art. 21 Abs. 1 EuErbVO auch  bei Verfügungen von Todes wegen ausreichend, durch die eine frühere Verfügung geändert oder widerrufen wird. Die Änderung oder der Widerruf ist hinsichtlich ihrer Form auch dann gültig, wenn sie den Formerfordernissen einer der Rechtsordnungen entsprechen, nach denen die geänderte oder widerrufene Verfügung von Todes wegen nach Absatz 1 gültig war.

Diesen Artikel bewerten
 
 
 
 
 
 
 
2 Bewertungen (100 %)
Bewerten
 
 
 
 
 
 
1
5
5
 

Sie haben Fragen zur Beauftragung der Kanzlei?

Wir helfen Ihnen gerne. Um die Kontaktaufnahme so einfach und effizient wie möglich zu gestalten, bitten wir Sie nachfolgendes Kontaktformular zu verwenden und uns Ihr Anliegen zu schildern. Nach Absendung Ihrer Anfrage teilen wir Ihnen schnellstmöglich (in der Regel binnen eines Arbeitstages) mit, ob wir Ihnen helfen können und unterbreiten Ihnen ggf. Terminvorschläge. Selbstverständlich ist Ihre Anfrage nicht mit Verpflichtungen für Sie oder uns verbunden. Wegen der Kosten einer etwaigen Erstberatung oder weitergehenden Beratung finden Sie unter Vergütung Informationen. Selbstverständlich können Sie sich aber auch direkt an die Autoren des Beitrags wenden.

Formular
captcha
Sie haben die Möglichkeit Anlagen (Texte, Dokumente) an Ihre Nachricht anzufügen (max. 5 MB).