Erbrecht New York - Einführung

Unser Team aus deutschen Fachanwälten für Erbrecht und einem US-Anwalt mit Zulassung in New York ist auf deutsch-amerikanisches Erbrecht, insbesondere bei Bezügen zu New York, spezialisiert und hat in den letzten Jahren zahlreiche Erbschaften mit Bezügen zum US-Bundesstaat New York, USA, abgewickelt sowie bei der Errichtung von Testamenten mit Bezügen zu New York, USA, beraten. Der Beitrag gibt eine Einführung in das Erbrecht des US-Bundesstaates New York und verweist auf vertiefende Beiträge zum Erbrecht von New York.

Rechtsgrundlagen des Erbrechts von New York

Das Erbrecht des US-Bundesstaates New York ist im Estates, Powers and Trusts Law (EPTL) und im Surrogate's Court Procedure Act (SCPA) geregelt. 

Anwendbares Erbrecht bei Bezügen zum US-Bundesstaat New York

Aus der Sicht von New York ist im Hinblick auf bewegliches Vermögen (movables) das Recht des letzten Domizils (domicile) des Erblassers anzuwenden und im Hinblick auf das unbewegliche Vermögen (immovables) ist das Belegenheitsrecht (lex rei sitae) anzuwenden. Das Domizil ist ein fester, dauerhafter Hauptwohnsitz, zu welchem eine Person, gleich wo sie sich vorübergehend befindet, zurückkehren will (SCPA § 103[15]). 

Unbewegliches Vermögen ist gemäß EPTL § 3-5.1 (a)(1) jedes Grundstück oder ein Recht an Grundstücken, einschließlich zeitlich beschränkter Rechte (leaseholds), wesentlicher Bestandteile (fixtures) sowie Hypotheken (mortgages) oder anderer Belastungen (liens). Zum unbeweglichen Vermögen gehört auch eine Eigentumswohnung (condominium) einschließlich der Rechte am Gemeinschaftseigentum (Real Property Law § 339-G). Ein Co-Op ist hingegen kein unbewegliches Vermögen.

Gemäß EPTL § 3-5.1 (i) bestimmt das Sachrecht des Staates, in dem unbewegliches Vermögen belegen ist, ob es sich um unbewegliches Vermögen oder bewegliches Vermögen handelt („Qualifikations(rück)verweisung“). Der BGH hat in einem Fall, in dem das Recht von New York auf das deutsche Recht betreffend die Qualifikation verwies, mit Beschluss vom 24. Juni 2026 - IV ZB 24/25 - entschieden, dass der Anteil an einer Erbengemeinschaft, deren Gesamthandsvermögen aus einem Grundstück in Deutschland besteht, als bewegliches Vermögen zu qualifizieren ist. 

Wenn ein Testator, der im Zeitpunkt seines Todes sein Domizil nicht in New York hat, in seinem Testament bestimmt, dass die Verfügung über sein bewegliches Vermögen in New York dem Recht von New York unterliegen soll, richten sich die materielle Wirksamkeit, einschließlich der allgemeinen Geschäftsfähigkeit des Testators, die Rechtswirkungen, die Auslegung, der Widerruf oder die Änderung einer solchen Verfügung nach dem Sachrecht des Staates New York (EPTL § 3-5.1 [h]). Eine solche Rechtswahl ist in Deutschland aber nicht immer anzuerkennen. 

Ergänzend verweisen wir auf den Beitrag „Anwendbares Recht im deutsch-US-amerikanischen Erbfall“. 

Testamentarische Erbfolge nach dem Recht von New York

Der Testator ist im Grundsatz in der Gestaltung seines Testaments frei (Testierfreiheit). Die Grenze ist Wahlteil des Ehegatten. Testierfähig ist, wer über 18 Jahre alt ist oder für volljährig erklärt wurde und in vollem Besitz seiner Geisteskräfte ist, § 3-1.1 EPTL. Der Testator ist im Grundsatz in der Gestaltung seines Testaments frei. Ein Testament ist nach dem Recht von New York als Zwei-Zeugen-Testament zu errichten, § 3-2.1 EPTL. Internationale Testamente, welche dieser Form nicht genügen, können in bestimmten Fällen anerkannt werden. In diesem Fall erben die Ehegatten neben den Kindern. Weiterführende Informationen finden Sie in dem Beitrag „Testamentarische Erbfolge nach dem Recht des US-Bundesstaates New York“. 

Anerkennung eines deutschen Testaments der Form nach im US-Bundesstaat New York

Ein deutsches, eigenhändiges Testament wird in New York als der Form nach anerkannt, wenn der Testator es in Deutschland errichtet hat oder zur Zeit der Errichtung oder bei seinem Tod sein Domizil in Deutschland hatte. Ein vor einem deutschen Notar errichtetes notarielles Testament wird stets anerkannt (da Notare nur in Deutschland beurkunden). Vertiefende Informationen finden Sie in dem Beitrag Anerkennung eines deutschen Testaments der Form nach im US-Bundesstaat New York.

Pflichtteil in New York

Einen dem deutschen Pflichtteil vergleichbaren Anspruch gibt es in New York nicht. Insbesondere haben Kinder keinen Pflichtteilsanspruch nach dem Recht von New York. Allerdings kann der überlebende Ehegatte nach dem Erbrecht von New York statt des ihm durch Testament zugewandten Erbteils den ihm sonst zustehenden gesetzlichen Erbteil wählen. In vielen Erbfällen mit Bezügen zu New York gibt es außerdem einen Anspruch auf den deutschen Pflichtteil. Für vertiefende Informationen verweisen wir auf den Beitrag Pflichtteil und gesetzliche Rechte des überlebenden Ehegatten in New York. 

Gesetzliche Erbfolge nach dem Recht von New York

Die gesetzliche Erbfolge tritt ein, soweit keine (wirksamen) testamentarischen Verfügungen getroffen wurden. In diesem Fall erben vorrangig die Ehegatten neben den Kindern. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie in dem Beitrag Gesetzliche Erbfolge im US-Bundesstaat New York.

Das gerichtliche Nachlassverfahren in New York

Anders als in Deutschland geht der Nachlass regelmäßig zunächst auf einen Nachlassabwickler (personal representative) über, welcher den Nachlass unter der Aufsicht des NY-Nachlassgerichts (Surrogate's Court) abwickelt. Nach Bestellung zum NY-Nachlassabwickler und Erhalt der Bescheinigung über seine Bestellung (letters of administration oder letters testamentary) vereinnahmt der NY-Nachlassabwickler, tilgt Verbindlichkeiten und verteilt unter Aufsicht des NY-Nachlassgerichts den Nachlass. Erfahren Sie hierzu mehr in unserem Beitrag zum Nachlassverfahren in New York. 

Trusts in New York

Ein verbreitetes Mittel der Nachlassplanung in New York ist der Trust. Das Vermögen, welches auf den Trust übertragen wurde, geht im Erbfall nach den Regeln des Trusts über und muss nicht erst über das probate Nachlassverfahren übertragen werden. Weitere Informationen finden Sie in dem Beitrag „Der zu Lebzeiten errichtete Trust im Erbrecht von New York“. Informationen zur Besteuerung von Trusts finden Sie in den Beiträgen  Besteuerung der Einkünfte eines US-amerikanischen Trusts und Der US-amerikanische Trust und deutsche Erbschaftssteuer bzw. Schenkungssteuer.

Todesfallbegünstigung aus einer Vereinbarung mit einer Bank oder anderem Finanzinstitut in New York

Ein Erwerb außerhalb des Nachlasses in New York kann daneben auch durch Vereinbarung einer Begünstigung auf den Tod in einem Bankvertrag erfolgen (Totten Trust bzw. TOD-Account).

Dingliches Anwachsungsrecht auf den Tod nach dem Recht von New York

Nach dem Recht von New York können zwei oder mehr Personen einen Vermögensgegenstand (z.B. Konto oder Haus) gemeinschaftlich in der Form halten, dass beim Tod eines Mitinhabers dessen Anteil den überlebenden Kontomitinhabern zuwächst und nicht in den Nachlass (estate) fällt. Wird Vermögen in dieser Weise gehalten, wird dies als Joint Tenancy – genauer Joint Tenancy with right of survivorship – bezeichnet. Von der Joint Tenancy zu unterscheiden ist das Institut der Tenancy by the Entireties for Married Couples. Diese kann nur unter Ehegatten bestehen. Im Unterschied zur Joint Tenancy können die Ehegatten nur gemeinsam über solches Vermögen verfügen. Ergänzend verweisen wir auf den Beitrag Joint Tenancy im Recht der USA. 

Besondere Regeln für ein Co-op in New York

Viele New Yorker haben eine "cooperative" – auch als "co-op" bezeichnet. Der Anteil an einem Co-Op ist unter Lebenden veräußerbar und vererblich. Allerdings kann der Gesellschaftsvertrag hierzu Regelungen enthalten, z.B. Zustimmung durch den Vorstand (Board of Directors) der Gesellschaft. Ergänzend verweisen wir auf den Beitrag New York: Übertragung eines Co-op. 

Nachlasssteuer des US-Bundesstaates New York

Der Bundesstaat New York erhebt eine eigene Nachlasssteuer – die New York Estate Tax. Dies ist in Art. 26 der New York Consolidated Laws, Tax Laws (TAX) geregelt. Die Steuer wird auf den Übergang des New-York-Nachlasses (New York estate) einer in New York residenten Person (TAX § 952) und des beweglichen und unbeweglichen Vermögens in New York eines Nicht-Residenten erhoben (TAX § 960). Eine Erbschaftsteuer erhebt New York nicht. Weitere Informationen zum Thema finden Sie in dem Beitrag Erbschaftsteuer und Nachlasssteuer im US-Bundesstaat New York.

US-Bundes-Nachlasssteuer bei Erbschaft in New York

Neben der Nachlasssteuer kann auch die US-Bundes-Nachlasssteuer (federal estate tax) anfallen. Hierzu verweisen wir auf den Beitrag Nachlasssteuer und Erbschaftsteuer in den USA.

Deutsche Erbschaftsteuer und Vermeidung der Doppelbesteuerung

Auch deutsche Erbschaftsteuer kann anfallen. Allerdings haben die USA und Deutschland auf dem Gebiet der Erbschafts- und Schenkungssteuer ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen, durch welches die Doppelbesteuerung mit US-Bundes-Nachlasssteuer und deutscher Erbschaftsteuer in der Regel vermieden wird. Weitere Informationen hierzu finden Sie in dem Beitrag Die Besteuerung deutsch-amerikanischer Erbfälle nach dem deutsch-amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen. Allerdings ist das Doppelbesteuerungsabkommen im Hinblick auf die NY-Nachlasssteuer nur im Hinblick auf die Regeln zur Anrechnung anwendbar, sodass es bei Erbfällen mit Bezug zu New York zu einer echten Doppelbesteuerung kommen kann. 

Rechtsanwälte für Erbfälle mit Bezügen zu New York

Bei einem Erbfall mit Bezügen zu New York empfiehlt es sich, regelmäßig einen New York-Anwalt und/oder einen deutschen Fachanwalt für Erbrecht mit Spezialisierung im Erbrecht von New York zu beauftragen. Herr Stuyvesant Wainwright IV ist seit vielen Jahren im Erbrecht von New York tätig. Herr Rechtsanwalt Frank ist seit vielen Jahren auf deutsches und US-Erbrecht spezialisiert und ist Autor des Länderteils New York im juristischen Standardwerk “Hausmann, Internationales Erbrecht”. 

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